Rund 50 OVS-Verkäuferinnen aus der Schweiz protestieren vor dem Sitz in Venedig

Eine Delegation von rund fünfzig Verkäuferinnen von OVS Schweiz hat sich nach Venedig Mestre begeben, um CEO Stefano Beraldo an seine Verantwortung als Industriekapitän zu erinnern. Wenn ein Unternehmen Schiffbruch erleidet, rettet man vorher die Passagiere, bevor man das sinkende Schiff verlässt. Die Passagiere respektive das Verkaufspersonal fordern von der internationalen Gruppe einen Sozialplan. An der Aktion haben sich VerkäuferInnen aus dem Oberland aktiv beteiligt.

Nur wenige Monate nach der Niederlassung in der Schweiz hat OVS Ende Juni seine 1180 Angestellten entlassen. Die Läden sind in Liquidation und der Konkurs steht bevor. Es ist dies die grösste Massenentlassung, welche die Schweiz im Detailhandel jemals erlebt hat. Dieses zweite Debakel der OVS-Gruppe in der Schweiz ist weitgehend der Inkompetenz und den strategischen Fehlern von Stefan Beraldo zuzuschreiben.

Die Gewerkschaft Unia hat wiederholt auf die Missstände hingewiesen, aber die Schweizer Franchisenehmerin Sempione Fashion mit der OVS als Aktionärin hat sich stets einem Gespräch verweigert. Jetzt, da das Unternehmen Schiffbruch erlitten hat, verlassen Kapitän Beraldo und seine Crew das sinkende Schiff und überlassen die Angestellten dem Untergang, ohne den geringsten Sozialplan.

Seit der Übernahme von Charles Vögele durch OVS im letzten Dezember haben sich die Probleme gehäuft: Ansammlung von Überstunden, viele Burn-outs, fehlende Klarheit bei den Direktiven und in der Kommunikation sowie organisatorische Probleme, die ein Scheitern des Managements befürchten liessen.

Aktion in Venedig

Rund fünfzig Verkäuferinnen, die ihre Stelle in der Schweiz verloren haben, sind an den Sitz der OVS-Gruppe nach Venedig Mestre gereist, um gegen die Verantwortungslosigkeit und Geringschätzung seitens Stefano Beraldo zu protestieren. Sie fordern für die Angestellten der Schweizer Filialen einen Sozialplan, entsprechend demjenigen für die OVS-Angestellten in Österreich. Als Schweizer Franchisenehmerin von OVS versteckt sich die Sempione Fashion hinter fehlenden finanziellen Mitteln, um den Sozialplan zu verweigern. Aber die italienische OVS-Gruppe als Drahtzieherin des ganzen Debakels verfügt über die Mittel, um die entlassenen Angestellten zu entschädigen. Mit Unterstützung der Unia fordern die Verkäuferinnen insbesondere eine Abgangsentschädigung entsprechend der Anzahl Dienstjahre, dem Alter und der Familiensituation sowie eine Unterstützung bei der Stellensuche. Sie appellieren an die Verantwortung des internationalen Unternehmens, dessen Ruf auf dem Spiel steht.